Salonprojekt zur „Esse“ sucht Zeitzeugen

Was ist die „Esse“ und wo stand sie? Die jüngeren Schmöllner können diese Frage wahrscheinlich nur schwer beantworten. Diejenigen aber, die in der Zeit der DDR groß geworden sind, werden sich gut erinnern, dass es ein Kulturhaus gab auf dem Platz neben dem ehemaligen Güterschuppen der Reichsbahn, der später zum Verkaufsladen „Fortschritt“ umgebaut wurde.  Heute kann man auf dem Grundstück des vormaligen Gewerkschaftshauses und ab 1969 Kulturhaus sein Auto abstellen und nichts zeugt mehr davon, dass hier Woche für Woche über viele Jahrzehnte das kulturelle Leben der Region pulsierte.

Das Kulturhaus kann man nicht zurückholen, aber der fehlenden Erinnerung soll endlich abgeholfen werden. Sobald es Corona zulässt, ist im Rahmen des TRAFO-Projektes „Der fliegende Salon – Kulturaustausch im Altenburger Land“ ein öffentlicher Zeitzeugensalon geplant. In Vorbereitung dieser Veranstaltung werden Fotos, Berichte, Filme und Interviewpartner zur Geschichte der Einrichtung gesucht. Gedacht ist an eine Ausstellung, die fortlaufend wachsen kann und auch während des Zeitzeugensalons präsentiert wird.

Im Kulturhaus „Stadt Schmölln“ pulsierte einst das kulturelle Leben der Region.

Tanzveranstaltungen, Konzerte, Schulanfangsfeiern, Jugendweihen, Hochzeiten, Trauerfeiern, Sitzungen des Rates des Kreises, Brigade- oder Familienfeste, alles fand im Kulturhaus „Stadt Schmölln“ statt. Wegen seines großen Schornsteins für die Braunkohlenheizung auch „Esse“ genannt. Quasi von der Wiege bis zur Bahre spielte sich das gesellschaftliche Leben der kleinen Kreisstadt an diesem Ort ab. Mit einem Besuch der Gaststätte begann oder endete für so manchen Schmöllner der Arbeitstag. Hier gab es zu fast jeder Tageszeit ein Bier. Noch wichtiger war die Einrichtung für Fans der Rockmusik. Wenn die berühmten Gruppen der DDR-Rockszene auftraten, reisten die „Kunden“ aus weiter Entfernung mit dem Zug an. Die Rundfunksender (auch die im Westen) kündigten die Konzerte an. Eigentlich war die Werbung aber unnötig, denn von Mund zu Mund wurde jedes Konzert schnell öffentlich.

Das letzte Konzert fand 1991 statt. Die Gruppe „Roger & Band“ mit Wolfgang „Roger“ Witte, Tobias Hillig, René Bock, Michael Jencio, Ralph Jähn, Rocco Basler, Frank Stache und Ralf Knoll spielte den Grabgesang. Dann endete das mehr oder weniger strahlende Dasein der „Esse“ und das Kulturhaus war bald Geschichte.

Ziel des Zeitzeugensalons ist es, Erinnerungen an den Alltag und an Kuriositäten in der „Esse“ möglichst authentisch festzuhalten und über den gemeinsamen Rückblick zu neuen kulturellen Initiativen zu kommen. Deshalb geht der Salon nicht nur die älteren Schmöllner an, sondern ruft auch junge Menschen auf, sich einzubringen. Die Vorbereitung der Veranstaltung liegt beim Museum Burg Posterstein und der Stadt Schmölln. Verantwortlich im Museum ist die ehemalige Schmöllnerin Franziska Engemann.

Wer Zeitdokumente zur Verfügung stellen möchte oder bereit ist, seine Erinnerungen vor laufender Kamera zu teilen, meldet sich unter franziska.engemann@burg-posterstein.de oder 034496/22595.

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