Gemischte

Platte

Künstlerische Perspektiven auf Plattenbauten

Veranstaltungsdaten

Vom 26. bis 28. September 2025 wird in Altenburg Nord ein unbewohnter Plattenbau-
Wohnblock aus den 1970er Jahren zum Schauplatz einer außergewöhnlichen Gruppenausstellung.

Wann: 26.–28. September 2025
Wo: Ludwig-Hayne-Straße 18 – 20, Altenburg

Öffnungszeiten
Freitag, 26. September 2025 – 16 bis 20 Uhr (danach Party mit Dj Roman Wilkens)
Samstag, 27. September 2025 – 14 bis 20 Uhr
Sonntag, 28. September 2025 – 14 bis 20 Uhr

Freitag, 26. September 2025
- 16 Uhr Eröffnung mit Rede, Getränken und Musik
- 17 Uhr Führung durch die Blocks und Kennenlernen der Künstler*innen
- 18 Uhr Workshop I - Gemeinsames sticken von Versen der Lyrikerinnen, die in der DDR verboten waren/nicht eröffentlicht/unterdrückt wurden mit Marie Kublik und Frida Teller
- ab 18 Uhr Party mit Dj Roman Wilkens
Samstag, 27. September 2025
- 14 Uhr Zeitzeugensalon - ehemalige und heutige Bewohner*innen sowie Künstler*innen und die Geschäftsführer der SWG und AWG im Gespräch, mit: Thomas Nündel (AWG), Lutz Schneevoigt (SWG), Susann Seifert, Irmgard Minkwitz und Fabian Heublein
- 16 Uhr Lyrik-Lesung Gedichte von Lyrikerinnen aus der DDR und Lyrik von heute, gelesen von Marie Kublik und Frida Teller
- ab 16 Uhr Von grau zu wow: In diesem Workshop für Kinder und Jugendliche werden graue Fassaden zur Leinwand unserer Ideen. Veranstalter: Farbküche
- ab 17 Uhr Führung durch die Blocks und Kennenlernen der Künstler*innen
- ab 20 Uhr ABGeBLOCKT - Afterjam-Party (Alte Lackierhalle, Feldstraße 37, Altenburg Nord)
Sonntag, 28. September 2025
- 15 Uhr Lesung: Erzählung "Wildes Leben in Altenburg-Nord" und Auszüge von Büchern mit der Schriftstellerin Elisabeth Dommer
- 16 Uhr Workshop II - Lyrik Stunde - Gemeinsames schreiben von Gedichten, inspiriert von den Lyrikerinnen der DDR mit Marie Kublik und Frida Teller
- 16 bis 18 Uhr Zeichnen an der Platte für Groß und Klein mit dem Maler Markus Bläser
Zeitzeugen

Highlights

– Wandbilder und Objekte von Schüler*innen der Dietrich-Bonhoeffer-Schule, die in Zusammenarbeit mit Künstler*innen, in Kooperation mit dem Lindenau-Museum Altenburg entstanden sind.
– Ein Zeitzeugensalon des Museums Burg Posterstein mit Fotografien und Zeitzeugenberichten von Bewohner*innen des Viertels beleuchtet die sozialen Aspekte des Plattenbaus.
– Das ergänzende Rahmenprogramm mit Veranstaltungen greift Aspekte des Lebens im Plattenbau immer wieder offen und kreativ auf.
– Aftershowparty mit Dj Roman Wilkens, Altenburg

Kunst, Kultur und Geschichte an einem besonderen Ort

Unter dem Titel GEMISCHTE PLATTE versammeln sich 32 Künstler*innen aus Altenburg und Umgebung, Leipzig, Halle, Dresden und Frankfurt am Main für ein langes Wochen-
ende voller Kunst, Information und Musik. Die Ausstellung bietet vielfältige künstlerische Zugänge zum Thema Plattenbau: Von Wandarbeiten über raumfüllende Installationen bis zu Graffiti und Bühnen für Performances. Jede*r Künstler*in oder Gruppe gestaltet eine eigene Wohnung – Räume werden zu Galerien, Bühnen und Erfahrungsorten. Die Ausstellung zeigt, wie unterschiedlich und lebendig Kunst und Plattenbau miteinander in Dialog treten können.

Künstlerische
Projekte

Anna Kasten

Neue Bilder [2010ner Jahre] – Mixed Media

Zeitgleich, von meiner Ausbildung her, begegne ich dem Standbild hinsichtlich zum Tafelbild, mit dem Thema „Landschaft“. Das Konzept sind Dekonstruktionen und Neuzusammenbauten mit einem transforierten Blick auf die Wirklichkeit. Etwas surrelaistisches mischt sich in den technoiden Charakter der Werke. Welcher musiklaische und
bildhauerische elemente auf der Rechnertastatur zusammenführt. Es entstehen so experimentelle Objekte bis zu einer Größe von 3 x 4 Meter. Sicher waren solche Art Bilder
bisher nicht im Wohninterieur dieser Bauten zu finden, jedoch sollte Computerkunstüberall zugänglich sein.

Tom Weichelt

gen ost - Installation

Mit seiner Arbeit »gen ost« erforscht der in Frankfurt am Main lebende Konzeptkünstler Tom Weichelt die Ambivalenzen des Lebens im Plattenbau. Er thematisiert den Gegensatz von objektiven, gebauten Strukturen und subjektiver Gefühls- und Lebenswelt der Bewohnenden. Die Atmosphäre verändert sich von Zimmer zu Zimmer, während
das beharrliche Klacken von Relais eine rhythmische Konstante bildet. Immer wieder erscheinen Dinge, die auf vertraute Formen und Wahrnehmungen aus der DDR verwei-
sen. Individuelle Erinnerungen werden so zu einer allgemeingültigen Vorstellung von Alltagskultur. Die Präsentation der gezeigten Objekte stellt jedoch deren ursprüngliche
Funktion infrage. So werden die Gegenstände ihrer Verortung in der Wirklichkeit beraubt und erscheinen »entrückt«. Verstärkt wird dieses gegensätzliche Gefühl von Vertrautheit und Fremde nochmals dadurch, dass durch keines der Fenster ein Blick nach draußen möglich ist. Weichelt beschäftigt sich ich in seiner künstlerischen Arbeit mit dem Dokumentieren von Topografien und Siedlungsstrukturen, porträtiert Menschen und erforscht staatlich-bürokratische Strukturen. Dabei bewegt er sich stets zwischen
Konzeptkunst, Fotografie und Text und rückt immer mehr die Idee in den Mittelpunkt, die Kunst aus dem recht starren Raster des Kunstbetriebs herauszulösen und neuen
Wirkungsstätten zuzuführen.

OST Crew Urine & Köter

Totenwache - Mixed Media

Die Totenwache ist ein zentrales Brauchtum im Religionsverständnis. Sie ermöglicht einen stillen, würdevollen Abschied. Die Platte stirbt – das geliebte Herzstück des Sozialismus. In Altenburg … und überall sonst. Der damalig moderne Wohncomfort, ist heute eher einem Charme von Präkariat, Eintönigkeit und Tristess gewichen. Um Menschen eine Möglichkeit zu geben, den Ort ihrer Lebensgeschichten und Erinnerungen, dennoch würdevoll zu verabschieden, haben wir vor, einen dreigliedriges Raumkonzept zu erschaffen, das die zentralen Riten, der im Sozialismus gemiedenen christlichen Gemeinde, nutzt, um dieses Verabschieden zu ermöglichen.

Valeria Liebermann

Hier ist ein Leben - Malerei, Installation

Ein Raum der Erinnerung: ohne Strom, mit Taschenlampenlicht, Text, Bild, Ton und Erzählung.
Dieses Projekt ist eine künstlerische Trauerrede – und ein Versuch, etwas zu bewahren, das nie ein Denkmal erhielt.

Eileen F. Almarales Noy

Micro D Vitamin & Microtopía -Fotografie, Installation

Ein Raum mit einer künstlichen tropischen Landschaft – ein imaginärer Sehnsuchtsort, der in Dialog mit der Geschichte und Materialität des Plattenbaus tritt. Mithilfe von Objekten, Textilien, Licht und Video entsteht ein symbolischer Zwischenraum: weder Exil noch Heimat, sondern ein Ort der Transformation.

Paul Altmann

Konstruktion – Installation

Der Künstler konzipiert eine Ortsspezifische Arbeit welche sich mit der Wohnung im Plattenbau, dessen Konstruktions- und Gestaltungsformen sowie historischen Grundrissen auseinandersetzt. Dabei entstehen Überlagerungen von Raum und Zeit. Die Grundlage der Arbeit bildet im Plattenbau vorgefundenes Material sowie ein historisches Archiv mit Bauakten aus der DDR.

Bea Nielsen

Anne - Collage, Mixed Media

Die multimediale Arbeit „Anne“ (2016 – heute) verfolgt einen biografischen Ansatz, sich mit der sogenannten Platte und dem, was die Künstlerin Bea Nielsen damit verbindet, zu beschäftigen. Ausgehend von Fotos und Dokumenten aus dem Nachlass ihrer Mutter, die bis zu ihrem Tod in einem Plattenbau-Hochhaus in Rostock Lütten-Klein lebte, und überlassenen Büchern sind malerische, zeichnerische und fotografische Arbeiten sowie Textfragmente entstanden, die eine spezifisch ostdeutsche Frauenbiografie in den Blick nehmen.

Catherine Sanke & Anne Reiter

Formen der Fürsorge - eine künstlerische Interpretation in Textil und Keramik – Textil und Keramik

Welche Erfahrungen haben Mütter zu DDR Zeiten gemacht? Welche Erwartungen, Zuschreibungen und Strukturen prägen uns heute als Mütter, und was können wir aus der
Geschichte lernen? Interviews mit Müttern aus Altenburg, mit Frauen, die zu DDR Zeiten Kinder bekommen haben. Wie erzählen sie ihren Alltag? Wie haben sie Care- Arbeit und Beruf miteinander verwoben? Welche gemischten Platten haben sie serviert? Ob sie ihre Kinder im Plattenbau großgezogen haben oder nicht, wir möchten mit ihnen ihre Problemlagen, damaligen Träume und spritzigen Erfahrungen ergründen. Aus den Interviewaufnahmen gehen wir auf eine künstlerische Suche mit Textil und Keramik. Wir als junge Mütter wollen in der Vergangenheit im künstlerischen Arbeiten unsere Situation heute reflektieren. Sie formen, neue Fäden spinnen und “starker Hitze” aussetzen – zur Disposition und Diskussion stellen. Die textil-keramischen Arbeiten, welche im Rahmen des Projektes entstehen sollen, werden zusammen mit den Soundcollagen der Interviews in der Ausstellung gezeigt und sollen zu einem intergenerationellen Dialog anregen, in dem aus Geschichte gelernt wird, Perspektiven sich ergänzen und sich zu neuen Materialien zusammenfügen.

Fabian Heubein

WB270 - Fotografie, Buch

WBS steht für Wohnungsbauserie und die Zahl 70 steht für das Jahr in dem diese standartisierte Plattenbauweise in Ostdeutschland entwickelt wurde. Das Thema der Arbeit
ist, das Verhältnis von Bewohnern zu den im Viertel dominierenden gestalterischen Prinzipien.

Sebastian Semmler (Kaku84)

damals (und heute) – Graffit

Mein Projekt wird sich im weitesten Sinne sowohl mit der Vergangenheit als auch mit der Gegenwart auseinadersetzen, genauer mit Menschen welche in Plattenbaugebieten aufgewachsen sind oder sogar noch immer in der Platte leben. Menschen die einen ganz persönlichen Bezug zu diesem Sozialraum haben. Porträts mittels Sprühdose ergänzt durch stilistische Details, welche an vergangene Zeiten erinnern. Abgerundet wird das gesamte Projekt mit 2- 3 weiteren Leinwandarbeiten, die sich thematisch den vor Ort entstandenen Porträts annähern.

Alexander Range & Claude Bleser

Kidz from Mockau - Kindheitserinnerungen eines Plattenbewohners – Installation

Meine Erinnerungen an die Kindheit und 10-jähriger Wohnerfahrung im Plattenhochhaus der 90er vermittle ich den Besucher*innen, indem ich sie an meinem „Leben in
der Platte“ teilnehmen lasse. Von Tischtennis und Lichtinstallation bis Dosentelefon. Außerdem sind Vektorgrafik und Bilder von Claude Bleser zu sehen.

Johannes Klaucke & Skit & Dirt

Plattenkratzer – Mixed Media

Wir sind eine Gruppe von vier Leipziger Künstlern. Uns eint, das wir im gleichen Alter sind und alle schon einmal im Plattenbau gewohnt haben. Zusammen wollen wir
uns dem Thema Plattenbau über unsere verschiedenen künstlerischen Positionen nähern. Dabei kommen neben Graffiti und Wandmalerei auch Lyrik und Kurzprosa zum Einsatz

Marc Dettmann

Peripherie – unterschdl. Druckverfahren

Marc Dettmanns Bildwelten spielen dort, wo sich die Randbezirke der Stadt ausfransen, sich sacht in Industriegebiete verschlingen, wo Lebenswelt und Arbeitswelt fließend ineinander übergehen. (…) Der studierte Maler und Grafiker folgt dabei seinem ästhetischen Interesse an verschiedenen Baukonstruktion, geometrischen Formkomplexen, Linienstrukturen und seriellen Reihungen, die er in seinen Bildkompositionen zunächst detailliert aufbaut, dann aber abrupt auflöst und mit monochromen Farbflächen kontrastiert oder mit grafischen Elementen, wie Werbetafeln und Wandbemalungen, aufbricht. (Text: Laura Bierau)

Andrej Krementschouk

Halb Wert Zeit – Fotografie

Die fotografische Installation Halb wert zeit vereint zwei Räume, zwei Zustände, zwei Zeiten: Slawutytsch – die jüngste Stadt der Ukraine, erbaut nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl als neues Zuhause für die evakuierten Arbeiter – und die verlassenen Kinderzimmer eines neunstöckigen Wohnhauses in Prypjat, das seit 1986 im Sperrgebiet liegt. Was beide Orte verbindet, ist ein unsichtbarer Zerfall: von Architektur, Körpern, Erinnerung und Nähe. Die Arbeit dokumentiert nicht das Ereignis, sondern das, was danach bleibt – Räume ohne Bewohner, Dinge ohne Berührung, Gefühle ohne Gegenüber. Es ist eine stille Chronik des Nachwirkens, die sich Tag für Tag fortsetzt. Archivmaterialien, dokumentarische Schwarzweißfotografie und persönliche Funde verweben sich zu einer offenen Erzählung, in der Zeit, Identität und Autorschaft instabil werden. „Halb Wert Zeit“ fragt nicht, was geschehen ist, sondern wie man weiterlebt – unter der Oberfläche, im Echo, in den Resten der Nähe.

Sarka Prusak

rette Platte – Installation

Plattenbauten – einst Symbol für Fortschritt und Modernität, heute häufig Gegenstand kontroverser Diskussionen. Als Zeugen ihrer Zeit erzählen sie von wirtschaftlichen Notwendigkeiten, politischem Willen und gesellschaftlichen Utopien – aber auch von Fehlplanungen, Vernachlässigung und Spuren, die Bewohner*innen und Zeit selbst am Ort
hinterlassen haben. Doch was passiert, wenn Kunst auf Plattenbau trifft? In der Arbeit von Sarka Prusak verschmelzen 3 Themen in einer Rauminstallation. In einer Wohnung
werden 3 Geschichten erzählt: „Rette Platte“, „Tatort Ding“ und „Ausbügeln oder Erinnern?“.

Ronny Müller (Pnkr1)

Die Geometrie des Blocks – Graffiti

Gezeigt werden Werke über die Wohnbauserie70, reduziert auf seine geometrischen
Strukturen.

Daniel Boll

Alles wird gut.. Extreme Hoffnung – der Society Cosmos in Beton! - Instal- lation

Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religionen, politischer Meinungen, Wertvorstellungen aber alle mit ihrer Hoffnung von einem anderen Leben. Sie lieben, sie hassen, konsumieren und beten getrennt unter einem Dach und somit wieder zusammen für ein neues Heil, den Heilland ein heiles schöneres Sein – raus aus der Platte, raus aus
der Scheißgesellschaft – ein thematisches Gefüge, das zum Erleben und Nachfühlen auf kleinem Raum einlädt.

Frieda Telle & Marie Kublik

Eine Wohnung für mich allein – Installation

Nach Virginia Woolf ist „ein Zimmer für sich allein“ Voraussetzung für freie Gedanken und kreatives Schreiben. Doch bis heute bleibt dieser Rückzugsort – besonders für
Frauen oft ein Privileg. Und selbst wenn Frauen Zeit und Raum finden zu Schreiben, ihre Werke erhalten noch immer weniger Aufmerksamkeit, Anerkennung und Bezahlung. Diese Installation schafft eine temporäre Utopie: eine ganze Wohnung voller Schreibtische – in der Küche, im Schlafzimmer, sogar im Bad. Räume, die sonst besonders für Frauen mit Care-Arbeit verbunden sind, werden in Orte des Schreibens und des kreativen Müßiggangs verwandelt. An den Wänden hängen Gedichte von DDR-Autorinnen wie Brigitte Reimann, Gabriele Stötzer oder Elke Erb – Frauen, die trotz widriger Umstände Wege fanden, sich poetisch auszudrücken. Auch die Plattenbauwohnung versprach einst ein Stück Utopie, mit Toiletten in der Wohnung, moderne Heizungen und den Zugang zu Gemeinschaftsflächen. Heute bleibt von ihren Versprechen oft wenig übrig. „Eine Wohnung für mich allein“ regt dazu an zwischen Utopie und Wirklichkeit Platz zu nehmen und Potentiale auszuloten. Eine Wohnung für mich allein lädt dazu ein, den Plattenbau als Möglichkeitsraum neu zu entdecken und zu reflektieren, was es für ein freies Denken und kreatives Schaffen braucht. Jedes Zimmer wird so zum lyrischen Erlebnisort und jeder Tisch bietet die Möglichkeit an Ort und Stelle lyrisch tätig zu werden. Dabei erinnern die Gedichte der DDR-Lyriker*innen, daran das ein Zimmer allein keineswegs einsam ist. All die Stimmen, die vor uns waren werden so hörbar.

Sarah Joelle Busskamp

Leben in Scheibchen – Installation

In der Ausstellung “Gemischte Platte – Leben in Scheibchen” stellt Sarah Bußkamp, Leipziger bildende Künstlerin aus den USA, im “Comic Slice of Life”-Stil Objekte des DDR-Alltags in ihrer oft unverhofften Bedeutung dar. Aus Karton modelliert, mit teils schrillen Farben comichaft überzeichnet, werden die Objekte Interaktionsangebot. Die beigefügten Briefe von Zeitzeugen geben persönliche Einblicke in die Bedeutung des jeweiligen Objektes im tatsächlichen DDR-Alltag. Wie oft durch den Staatsapparat in der DDR erfolgt, kann der Besucher Kuverts, die an der Wand kleben, öffnen und die enthaltenen Briefe lesen. Privates wird Öffentlich durch die Partizipation der Besucher. Der Betrachter begeht eine leere Wohnung, in der freischwebend Alltagsobjekte – physisch und konzeptionell dem ursprünglichen Setting entrissen – überzeichnet und damit eher den Bereich der Emotionen als der physischen Realität abbilden. Eine Entdeckungsreise ins unscheinbar Sublime und Subversive.

Claire Ebendinger

Gemischte Blätter – Mixed Media

„Gemischte Blätter“ ist eine Serie von etwa 80 kleinformatigen Flechtblättern sowie großformatigen digitalen Drucken. Die Grundlage bilden originale DDR-Flechtblätter, die sowohl hoch- als auch querformatig gestanzt sind und sich zu unterschiedlichen Mustern flechten lassen. Plattenbau und Papierflechten lassen sich als parallele Ausdrucksformen einer Zeit verstehen, in der das Kollektive und das Formbare, das Funktionale und das Gestaltete eng miteinander verflochten waren. Die Serie bewahrt in ihrer Originalfassung ihre typische Farbigkeit – gedämpfte Töne, Papierfarben der DDR-Zeit – und verweist damit auf eine visuelle Erinnerungskultur, die vielen aus der Kindheit vertraut ist. Beim Scannen und der Bearbeitung in Schwarz-Weiß entwickeln einige Arbeiten eine starke architektonische Qualität. In dieser reduzierten Form erinnern die strukturierte Anordnung, das Raster und die Wiederholung an Fassadenelemente eines Plattenbaus. Die geflochtenen Blätter erscheinen nun wie Fassadenfragmente – sie greifen die Ästhetik serieller Bauweise auf und übersetzen sie in ein poetisches, grafisches Vokabular. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Privatraum und Außenraum, zwischen Intimität und Monumentalität.

Dios.Goldfingah

Wir hatten ja Nichts – Graffiti

Räume mit fotorealen und gebrochenen, verzerrten Menschen aus der Zeit der 70er Jahre bis zur heutigen Zeit, mit Sprühdose und Acrylfarbe dargestellt. Der Fokus liegt auf Witz, Freude und Trauer am Besitz und Leben mit und in der Platte. Vom wenigen „haben“ und Glücklich sein bis hin zum großen Konsum und Trauer.

Projekte der Kunst- und Kulturvermittlung

Museum Burg Posterstein

Zeitzeugensalon

Räume mit fotorealen und gebrochenen, verzerrten Menschen aus der Zeit der 70er Jahre bis zur heutigen Zeit, mit Sprühdose und Acrylfarbe dargestellt. Der Fokus liegt auf Witz, Freude und Trauer am Besitz und Leben mit und in der Platte. Vom wenigen „haben“ und Glücklich sein bis hin zum großen Konsum und Trauer.

Von grau zu wow

Workshop mit der Farbküche

Plattenbauten sind für viele Menschen Erinnerungsorte, für andere schlicht Alltagsarchitektur. In diesem Workshop werden sie zum Ausgangspunkt für neue Zukunftsbilder. Auf Pappkartons im Plattenbau-Format gestalten Kinder und Jugendliche mit Sprühdosen, Schablonen und Acrylmarkern eigene Entwürfe und interpretieren die Architektur neu. So entsteht ein künstlerischer Dialog darüber, wie Plattenbauten aussehen könnten, wenn die junge Generation sie neu erfindet.

Lindenau-Museum Altenburg

museum unterwegs in der Gemischten Platte Fundstücke und Überbleibsel

Vom 12. bis zum 14. Mai 2025 fanden in der GEMISCHTEN PLATTE Projekttage mit Schülerinnen und Schülern der Dietrich-Bonhoeffer-Regelschule statt. An zwei Tagen bemalten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7 die Wände einer Wohnung, gemeinsam mit dem Bildenden Künstler Markus Bläser. Außerdem entstanden Kühlschrankmagnete und Schneekugeln als Andenken an das Gebäude, das abgerissen werden soll. Diese Aktion wurde durch den Maler und Zeichner Jan Pötter angeleitet. An einem weiteren Tag wurden die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse aktiv. Mit Knete formten sie Strukturen von Tapeten, Schlüsseln und anderen Überresten des Wohnblocks ab und druckten diese dann mit Stempelfarbe auf Papier. Diese Aktion wurde von den Künstlerinnen Marina Kampka und Lena Schrieb von studio pari-pari durchgeführt. Initiiert wurde das Projekt vom Lindenau-Museum der Altenburger Museen, das mit dem museum unterwegs Projekte im öffentlichen Raum durchführt.

Die Kunstaktion
„Gemischte Platte“

wird im Rahmen des „fliegenden Salons“ in TRAFO-Modelle für Kultur im Wandel, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, sowie durch das Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Kultur gefördert. Kulturpartner des „fliegenden Salons“ sind die Erlebe was geht gGmbH (Farbküche), das Lindenau-Museum Altenburg und das Museum Burg Posterstein.

Zusätzlich wird das Projekt von folgenden Partnern unterstützt:

Landkreis Altenburger Land
Stadt Altenburg
AWG Altenburg
Leitermann Bau-, Fach- und Gartenmarkt (Lödla)

Weitere Informationen zu künstlerischen Umsetzungen und Projekten der Kunst- und
Kulturvermittlung im Anhang.

Initiator: Ronny Müller

Für Interviews, Bildmaterial oder weiterführende Fragen steht das Projektteam Ge-
mischte Platte gerne zur Verfügung.

Projektteam Gemischte Platte
instagram.com/gemischteplatteabg

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